Kirche/Orgel - Die Heinrichs in Dittersbach

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Kirche/Orgel

Chronik

1997 haben wir den 650. Geburtstag der Kirche in Dittersbach feiern können. Wir berufen uns dabei auf eine sehr verlässliche Quelle, das Buch "Überlieferungen zur Geschichte von Eschdorf, Dittersbach und Umgegend" des Eschdorfer Pfarrers Johann Karl Seidemann aus den Jahren 1840 bzw. 1860. Er erwähnt dort die erstmalige Nennung einer Kirche zu Dittersbach in den Meißner Bischofsmatrikeln von 1346. Diese Matrikel sind leider verschollen, so dass wir uns nur auf die Überlieferung Seidemanns beziehen können. Eine erstmalige Erwähnung des Ortes Dürrröhrsdorf im Jahre 1247 bzw. von Dittersbach um 1299 bedeutet aber in jedem Falle, dass um 1346 hier eine Kirche gestanden haben muss, unabhängig davon, ob dies durch eine Urkunde bestätigt wird oder nicht. Seidemann spricht in seinen Überlieferungen davon, dass die Zuordnung der genannten Matrikeln zum Jahr 1346 auf Grund anderer zuordenbarer Daten geschehen ist.

Die alte Kirche brannte 1660 ab und mit ihr alle Akten, so dass Nachrichten aus der Vorzeit nur spärlich sind. Kirche und Pfarrhaus wurden bis 1662 wieder neu aufgebaut, die Kirche allerdings noch ohne Kirchturm. Der Anbau erfolgte erst ca. 60 Jahre später zwischen 1721-25. Durch den Anbau wurde das Kirchenschiff verlängert und der Platz für den Einbau einer Orgel geschaffen. Diese Arbeit übernahm der Hoforgelbauer Silbermann, der zusammen mit drei Gesellen innerhalb eines Jahres den Einbau zusätzlich zu seinen sonstigen Aufgaben übernahm. Inklusive Kost und Logis hat das kleine einmanualige Werk ca. 700 Taler gekostet.


1981 wurde durch die Firma Eule-Orgelbau Bautzen eine Instandsetzung der Orgel im denkmalpflegerischen Sinne durchgeführt. Es wurde eine Rückführung in die ursprüngliche Stimmtonhöhe durch Versetzen der Pfeifen auf ihren ehemaligen Standort durchgeführt, nachdem 1893 eine Tieferstimmung erfolgt war. Dadurch wurde die original Silbermann´sche Stimmung wiederhergestellt, die 1/2 Ton über der heutigen Kammerstimmung liegt. Um das Zusammenspiel mit anderen "klingenden" Instrumenten (zum Beispiel mit unserem Posaunenchor" zu ermöglichen, wurde eine Transpositionsklaviatur angefertigt. Als eine der wenigen Silbermann-Orgeln verfügt die Dittersbacher Orgel noch über den Originalprospekt ohne farbliche Gestaltung. Der Erhaltungszustand des Instruments wird als sehr gut eingeschätzt. Bis auf eine Ausnahme sind sämtliche Originalpfeifen erhalten geblieben.


Eine CD, auf der Reinhardt Menger Werke von Johann Gottfried Walther spielt, ist im Pfarramt der Kirche bzw. am Büchertisch zu haben.


Die Geschichte von Bauwerken ist meist eng mit dem Wirken von Persönlichkeiten verbunden. Hier in Dittersbach sind vor allen Dingen zwei Namen zu nennen: Kiesewetter und Quandt. Der 1512 geborene Kanzler Kiesewetter hatte 1554 vom Kurfürsten das Gut Dittersbach gekauft und das Schloss gebaut. Im Besitz der Kiesewetter befand sich das Rittergut über 200 Jahre und mit ihrem Namen ist vieles in der Kirche zu Dittersbach verbunden, der Kirchenneubau 1662, den Turman- und den Orgeleinbau 60 Jahre später durch den Kiesewetterfreund Silbermann, der Einbau der Glocken. Hans Christoph von Kiesewetter schenkte der Kirchgemeinde 1728 die erste Turmuhr und die große Glocke 1742. In die Zeit der Herrschaft des Kunsthistorikers und -mäzens Johann Gottlob von Quandt fällt die Restaurierung der Kirche im Jahre 1849 und die Anschaffung neuer Glocken im Jahre 1856.Von ihm stammt auch das Kruzifix im Altar.
Der Taufstein des Dresdener Tischlers Creutz stammt aus dem Jahre 1859. Er wurde restauriert und ist seit der 650-Jahr-Feier wieder eine Zierde unserer Kirche.
Aber Kirche ist nicht nur Bauwerk und Persönlichkeit, Kirche ist vor allen Dingen aktive, lebendige Gemeinde. Der Wiederaufbau der Kirche vor über 300 Jahren in weniger als zwei Jahren wäre genauso unmöglich gewesen wie die Kirchenrestaurierung 1849 ohne diese aktive Gemeinde. Dieser Restaurierung war beispielsweise eine 6-jährige Straßensammlung vorausgegangen. Noch 1840 lesen wir bei Seidemann:
"Die jetzige Kirche ist umgeben von dem kleinen, überfüllten Kirchhofe, zwischen dem Herrenhofe und der Pfarre. Sie ist länger als breit, und nicht überall hell, hat eine unfreundliche Sacristei und einen Altar von geschmackloser Struktur, an dem ein schlecht gemaltes Abendmahl, Kreuzigung und Grablegung, die um keinen Deut besser sein sollen, als die Eschdorfer Altarbilder. Die übrigen Bilder am herrschaftlichen Betstübchen und der Kanzel sind ebenso viel wert."
Es ist das Verdienst der Gemeinde damals, dass dieser Zustand mit der Restaurierung 1849 überwunden wurde. Nach zwei weiteren Restaurierungen wurde vor sechs Jahren mit beträchtlichem Aufwand der farbliche Zustand von 1849 wieder hergestellt. Auch die Tatsache, dass uns die Silbermann-Orgel noch heute mit ihrem Klang erfreut, ist der kontinuierlichen Arbeit der Gemeinde an diesem Instrument zu verdanken. Die letzte grundlegende Restaurierung erfolgte in den Jahren 1980/81. Die Neueindeckung der Kirche, die Komplettierung des seit dem ersten Weltkrieges unvollkommenen Geläuts, die neue Turmuhr, die Außenfarbgebung und die Erneuerung der Kirchenfenster sind Beispiele aus der jüngeren Vergangenheit und zeugen von dem ständigen Bemühen der Gemeinde um die Erhaltung ihres Gotteshauses.
Über 650 Jahre Jahre Kirche in Dittersbach, das bedeutet auch über 650 Jahre aktives Gemeindeleben. Zur 650-Jahr-Feier konnten wir hier in unserer Kirche erleben, was lebendige Kirche bedeutet, nachdem uns das Wetter einen Strich durch die Rechnung und unser Gemeindefest im Freien gemacht hatte. Das Fest fand in der Kirche statt! Damals sangen die Kinder unseres Kinderchores:

Gott baut ein Haus, das lebt aus lauter bunten Steinen,
aus großen und aus kleinen, eins, das lebendig ist.
Gott baut ein Haus, das lebt, wir selber sind die Steine,
sind große und auch kleine, du und ich.
Gott baut ein Haus, das lebt, aus ganz, ganz vielen Leuten,
die in verschiedenen Zeiten hörten von Jesus Christ.
Gott baut ein Haus, das lebt, er sucht in allen Ländern,
die Menschen zu verändern, wie´s dafür passend ist.
Gott baut ein Haus, das lebt, er selbst weist Dir die Stelle,
in Ecke, Mauer, Schwelle, da wo Du nötig bist.
Gott baut ein Haus, das lebt, er gibt Dir auch das Können,
lässt Dir den Auftrag nennen, damit Du nützlich bist.


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