Schöne Höhe - Die Heinrichs in Dittersbach

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Schöne Höhe

Chronik

"... und auf Schönhöhe habe ich gelohengrint."

(Richard Wagner)


Schon die turmgeschmückte Einfahrt zu Schloss Dittersbach, die dem Vorhof den Charakter eines Burghofes verlieh, deutet an, dass Quandt Dittersbach nutzte, um seinem romantischen Empfinden nach verschiedenen Seiten hin Ausdruck zu verleihen.
Noch deutlicher zeigt dies das mit Zinnen und Rundbogen versehene Belvedere auf der Schönen Höhe, oder wie es damals genannt wurde "Schönhöhe". Erbaut wurde es nach den Entwürfen von Joseph Thürmer, den Quandt in Italien kennengelernt hatte. Der Grundstein wurde am 12. September 1831 gelegt


Aus der Rede Quandts zur Grundsteinlegung

"Laßt uns also ... diesen Stein mit froher Zuversicht legen; denn immerdar wird die Sonne diesen Ort bescheinen, wenn auch im Augenblick Wetterwolken darüber hinfliegen ... Legen wir auch diesen Stein zu einer Zeit, wo Stürme die Welt umbrausen uns alles aus den sicheren Fugen zu gehen droht, so laßt uns bedenken, daß jedem Frühjahr ein Winter voraus geht, und jeder Frühling durch Stürme sich verkündet. Laßt uns also heiter in die Zukunft blicken, wie sich unser Auge am Anblick der Ferne erfreut und stärkt, denn im großen Überblick verschwinden die einzelnen wüsten Stellen und die Welt liegt im Großen und Ganzen als ein Paradies vor uns ... Und Du, geliebter, unbekannter Nachkomme, der einst den Schutt von diesem Orte anräumt und zu neuem Anbau ebnet ... denk fröhlichen Mutes an uns, wie wir mit frohen Erwartungen Deiner denken, und laß Dich nicht irren durch die traurige graue Farbe, die das zerfallene Gestein überzieht.
Sprich zu Dir: Sie lebten und beim Leben wohnt die Freude, nicht bloß der Schmerz und wie sie der Zukunft freudig vertrauten und ihr Gemüth am Anblick des Großen und Ganzen sich erheiterte, wollen auch wir unbekümmert sein wegen des Künftigen und uns unseres Daseyns erfreun."

In den Grundstein legte Quandt einen auf den 18. September 1830 datierten Brief seines Freundes Johann Wolfgang von Goethe. Dort liegt er heute noch und ist deshalb aus verständlichen Gründen nicht einsehbar. Das Konzept aber, geschrieben von einem gewissen Jahn, ist heute noch in Weimar erhalten. Deshalb wissen wir, dass sich Goethe in seinem Brief nach dem Zustand der Quandt´schen Besitzungen inmitten der bürgerlichen Revolution erkundigt. Darauf nimmt Quandt auch in den oben wiedergegebenen Zeilen seiner Rede Bezug. Goethe schreibt, dass er die gesellschaftlichen Verhältnisse zwar für veraltet halte, die revolutionären Vorgänge von 1830 jedoch ablehne: "... möge das Ganze in seinem Zustand bleiben, der immer noch dankens- und ehrenwerth zu nennen ist."

Bereits beim Bau seines Stadthauses war in Quandt der Wunsch aufgekommen, al fresco malen zu lassen. Vogel von Vogelstein hatte in Pillnitz und in der Hofkirche Fresken gemalt. Auch im Dittersbacher Schloss bzw. im sog. "Schwäbischen Häuschen" - einem Tanzsaal für die Bauern - befanden sich einige Fresken. Drei Jahre nach Vollendung des Turmes (1835) gewann Quandt in dem späteren Professor an der Kunstakademie Carl Peschel den geeigneten Maler, seine Träume wahr werden zu lassen. Quandt weihte den Bau seinem Freund Goethe und der Deutschen Romantik, indem er den Turmsaal mit Fresken zu Goethe Balladen schmücken ließ.


Das Hauptbild an der Nordseite des Turmsaal (gegenüber der Eingangstür) ist "Der Sänger" - für Quandt die Verherrlichung des idealen Dichter-Lebens, wie er es im Mittelalter verwirklicht glaubte, also Freiheit von jeder Abhängigkeit. Quandt war von dem Einverständnis zwischen König und Künstler begeistert, in der Rolle des Königs sah er wohl vor allem sich, den Mäzen.


Zwei Seiten der Natur stellen Quandt und Peschel an den beiden Fensterseiten gegenüber:
"Der Erlkönig" stellt die eine Seite der Natur dar, das Dunkle, Geisterhafte und Schaurige, also die den Menschen bedrängende und ängstigende Natur.


"Der Fischer" ist die Darstellung der romantisch poetischen Naturanschauung. Es zeigt das romantische Verhältnis des Menschen zur Natur. Es ist inhaltsmäßig und optisch im Raum das Gegenstück zum "Erlkönig"


Links vom Sänger befindet sich das Fresko "Der König in Thule". In diesem Motiv sah Quandt wohl eine Verkörperung von "Lieb und Treu".


Der "Geistesgruß" ist das dritte Fresko an der Hauptwand. Quandt sah hierin eigentlich die Verherrlichung ritterlichen Lebens. Die Darstellung Peschels zeigt aber eher den ironischen Ton, den das Gedicht hat.


Bereits 1860 berichtet Pfarrer Seidemann von Wasserschäden an den Fresken. Leichte Absenkungserscheinungen hatten im Laufe der Zeit zu größeren Rissen im Bauwerk und den Fresken geführt. Als 1971 der Turm geschlossen wurde, lag das vor allen Dingen an dem schlechten baulichen Zustand der Treppe zur Aussichtsplattform. Der Freskensaal wurde als Leergutlager der nahen Gaststätte genutzt .....
Im Jahre 1983 habe ich begonnen, interessierte Ortsansässige zu finden und für den Plan zur Wiederbegehbarmachung zu gewinnen. Um gegenüber offiziellen Stellen genügend fachkompetent zu sein, begann ich, mich mit der Turmgeschichte, Quandt und der Ortsgeschichte allgemein auseinander zusetzen. Das war der Grundstock für meine Ortschronistentätigkeit. Ostern 1984 erhielten wir vom damaligen "Trägerbetrieb" Elektrokeramik Berlin, die Zusage, dass wir 30.000 Mark für den Aufbau zur Verfügung hätten. Die Restaurierung sollte in 3 Etappen erfolgen:
1. Wiederbegehbarmachung des Turmes durch Einbau einer neuen Treppe
2. Restaurierung der Fresken im Turmsaal
3. Einbau von Ferienzimmern in die erste Etage des Turms als Zugeständnis an den Betrieb und seine finanziellen Leistungen
Der Abschnitt 1 wurde aus Anlass der Feierlichkeiten zum 200. Geburtstag von J.G. v. Quandt 1987 abgeschlossen. Mit dem Schritt 2 wurde begonnen, parallel dazu aber auch der Ausbau der Zimmer forciert. Zur Wende waren die Ferienzimmer fertig, die Fresken harrten noch im Dornröschenschlaf. Es hat bis 1998 gedauert, dass die Gemeinde Dürrröhrsdorf-Dittersbach den Turm samt nahegelegener Gaststätte von der Stadt Dresden zurückkaufen konnte. Seit dieser Zeit liefen die Bemühungen zur Restaurierung der Fresken unter maßgeblicher Beteiligung des "Quandtvereins zur Förderung der Künste e.V." Die Arbeiten wurden im November 2000 abgenommen.


Am Beispiel des "Märchens" lässt sich die Schwierigkeit und Qualität der Restaurierung sehr gut veranschaulichen.

 
 
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